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Worum es gehtDas zu Ende gehende Nationale Forschungsprogramm (NFP50, http://www.nfp50.ch) des Schweizerischen Nationalfonds zum Thema „Hormonaktive Chemikalien“ (EDC`s = Endocrine Disrupting Chemicals1)) erforschte die Auswirkungen von hormonähnlich wirksamen Substanzen auf Mensch,Tier und Oekosysteme (Umwelt). EDC`s sind Gruppen von Chemikalien mit unterschiedlichen chemischen Strukturen, die fähig sind, Hormonsysteme zu beeinflussen. Am längsten bekannt sind gewisse Pestizide (Organochlorpestizide wie DDT), weitere EDC sind die PCB (polychlorierte Biphenyle), Plastikmonomere wie Bisphenol A, oberflächenaktive Stoffe (Alkylphenole), Weichmacher (Phthalate), Flammschutzmittel (z.B. polybromierte Diphenyläther), Parabene (Konservierungsmittel), gewisse synthetische Parfümstoffe und UV Filter. Das Forschungsprogramm untersuchte die gegenwärtige Belastung von Menschen, Nutz- und Wildtieren sowie der Umwelt in der Schweiz. Erforscht wurden auch die daraus resultierenden Gefahren und Risiken. Aufgrund der erzielten Resultate sollen Entscheidungsgrundlagen zuhanden der Behörden und der Industrie für den Umgang mit EDC`s erarbeitet und Empfehlungen formuliert werden. http://www.nfp50.ch Ergebnisse von Forschungsprogrammen über hormonaktive ChemikalienDas NFP50 und themenverwandte europäische Forschungsprogramme (CREDO/ EURISKED, 5th European Framework) befassten sich mit der Rolle von EDC`s als Ursache von Entwicklungs- und Fortpflanzungsstörungen und Störungen des Nerven- und Immunsystems. Diskutiert wurde, ob die Zunahme solcher Störungen mit der erhöhten Produktion und Verwendung von EDCs zusammenhängen könnte. Ein grosses Problem stellen die heute vorhandenen verschiedensten Mischungen von Chemikalien dar, denen Mensch und Tier ausgesetzt sind (Woodruff, 2008). Auch können zwischen der Einwirkung einer Chemikalie und dem Auftreten einer Gesundheitsstörung Jahre verstreichen. Deshalb konnte nur vereinzelt beim Menschen ein Zusammenhang zwischen einer Gesundheitsschädigung und der Wirkung bestimmter EDC`s nachgewiesen werden. Ähnliches gilt für Wildtiere, doch sind dort die Zusammenhänge besser dokumentiert (Barret, 2006, Woodruff, 2008). Spezifische Wirkungen einzelner EDC`s werden daher zumeist in Labor-Modellen ermittelt. Was Mischungen verschiedener Chemikalien tatsächlich bewirken und wie ihr Risiko zu beurteilen ist, soll in neuen Europäischen Forschungsprojekten im Rahmen des 7th European Framework thematisiert werden. Um das Eindringen von Chemikalien in Nahrungsmittelnetze von Mensch und Tier so gut wie möglich zu verhindern, ist es wichtig, die Wege dieser Chemikalien in der Umwelt abzuklären. Gewissen Chemikalien, die in Kosmetika Verwendung finden, ist der Mensch über mehrere Wege ausgesetzt. So können Inhaltsstoffe von Kosmetika, wie UV Filter oder synthetische Parfums, direkt über die Haut oder auch über den Magen-Darmtrakt (Lippenstift) aufgenommen werden. Zusätzlich werden diese Substanzen beim Baden in Fliessgewässer und Seen eingetragen. Sie gelangen aber auch indirekt über Haushaltabwasser und Abwasser-Reinigungsanlagen (ARA) und schliesslich über die Ausflüsse von ARA`s in die Gewässer. Unterhalb der Fluss-Einmündungen von ARA-Ausläufen konnten einzelne UV Filter in, verglichen mit Konzentrationen anderer Fremdstoffe, beachtlichen Mengen im Wasser und in Fischen analysiert werden. UV Filter wurden auch in Seen und in Seefischen nachgewiesen (Kupper et al.2006, Buser et al., 2006.). So gelangen Kosmetik-Inhaltsstoffe in menschliche und tierische Nahrungsketten. Jedoch ist die Zusatzbelastung des Menschen über die Nahrungskette, verglichen mit der direkten Aufnahme aus Kosmetika, als eher gering einzustufen. Bei anderen Schadstoffen wie PCB`s hingegen sind Lebensmittel der Hauptaufnahmepfad. Neue von der OECD erarbeiteteTestmethoden erlauben Fortschritte bei der Identifizierung von Substanzen als EDC`s. Eine weitergehende Klärung der Risiken wird aber noch viel Zeit beanspruchen. Hormone sind sehr potente Stoffe, die im Körper zirkulieren und teils an ihrem Entstehungsort, vor allem aber Distanz-übergreifend an verschiedenen Körperorganen multiple Wirkungen entfalten können. Die Entwicklung von Lebewesen wird durch Hormone entscheidend beeinflusst, weshalb frühe Lebensphasen besonders empfindlich gegenüber Störungen von Hormonen sind. Konzentrationsänderungen natürlicher Hormone oder die Anwesenheit hormonähnlich wirksamer Fremdstoffe während empfindlicher Phasen der Entwicklung können deshalb nachhaltige Störungen von Bau und Funktion des Organismus verursachen. Das Resultat veränderter Entwicklungsprozesse kann bereits in frühen Lebensphasen oder erst mit Verzögerung auftreten und zu lebenslanger oder gar zu Generationen übergreifender Beeinträchtigung wichtiger Funktionen führen. Im Vordergrund stehen Störungen der Fortpflanzung, des Nerven- und Immunsystems sowie Krebserkrankungen der Fortpflanzungsorgane (Barrett, 2006, Woodruff, 2008, Schlumpf und Lichtensteiger, 2000). Substanzen mit hormonaktiver Wirkung gehören daher nicht in die Frauenmilch. Der zunehmende Eintrag hormonähnlich wirksamer Substanzen in die natürliche Säuglingsnahrung muss nicht nur regelmässig analysiert und wissenschaftlich begleitet, sondern auch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindert werden. Zur Ermittlung des Risikos: Biomonitoring der FrauenmilchDaten über die Belastung der Frauenmilch mit verschiedenen Gruppen von EDC`s sind rar und über das Vorkommen von Kosmetika in Frauenmilchen ist besonders wenig bekannt. Mittels Biomonitoring (= Bestimmung von Fremdstoffen in Körperflüssigkeiten wie z.B.in der Frauenmilch) lassen sich Aussagen über die Fremdstoffaufnahme des Säuglings wie auch über die Fremdstoffbelastung der Mutter machen. Erfahrungsgemäss ist die Schadstofflast des mütterlichen Organismus vor und nach der Geburt ähnlich. Deshalb hat GREEN Tox im Rahmen des NFP50 während 3 Jahren eine Frauenmilchstudie am Basler Universitätsspital durchgeführt (Schlumpf et al., 2008). Neben einer Vielzahl von Substanzgruppen aus dem Kosmetikbereich, die in den Frauenmilchproben der Basler Studie vorkommen (synthetische Parfümstoffe, Parabene und Phthalate u.a.), wurden erstmals auch UV Filter systematisch untersucht. Bei über 75% der Frauen fanden wir einen oder mehrere UV Filter in der Milch. Das Besondere dieser Studie lag im ausführlichen Fragebogen an die Mütter. Dieser enthielt neu neben den üblichen Informationen (Alter und Gewicht der Mutter, Geburt und Anzahl der Kinder, Wohnumgebung, Essgewohnheiten, Rauchen, Medikamente) auch ausführliche Fragen betreffend die Anwendung verschiedener Kosmetikprodukte. Die genaue Zusammensetzung sämtlicher von den Frauen erwähnten kosmetischen Produkte wurde daraufhin ermittelt. Der Gebrauch UV Filter enthaltender Kosmetika wurde mit den entspechenden UV Filter-Konzentrationen in der Frauenmilch verglichen. Gemäss Vkos (Verordnung über kosmetische Mittel) müssen UV Filter auf der Packung deklariert sein. Daher eignen sie sich für einen Vergleich der angewandten Menge UV Filter durch die Mütter und der in der Frauenmilch vorgefundenen UV Filter-Konzentrationen. Die biostatistische Analyse ergab eine signifikante positive Beziehung zwischen der Verwendung von UV Filter-haltigen Kosmetika und dem Vorkommen dieser Substanzen in der Frauenmilch. Das heisst, dass die von einer Frau total konsumierte Menge an Kosmetika, die UV Filter enthalten, letztlich die Konzentration dieser Chemikalien in ihrer Milch bestimmt. Neue StrategienGegen eine weitere Zunahme von Chemikalien in Frauenmilchproben und in der Umwelt gibt es nur eine mögliche Strategie, nämlich die Verminderung der Zufuhr von Chemikalien. Fremdstoffe in der Frauenmilch stammen aus ganz unterschiedlichen Quellen. Gegen gewisse Stoffe, wie zum Beispiel den persistenten Umweltchemikalien DDT und PCB, kann eine Frau kaum etwas unternehmen. Doch hat die Basler Studie gezeigt, dass Vorkommen und Menge von Chemikalien aus Kosmetika in der Frauenmilch mit der Verwendung von kosmetischen Produkten zusammenhängen. UV Filter in KosmetikaEine Liste von UV Filtern ist in Vorbereitung.
1) bekannt auch als endokrine Disruptoren, hormonaktive oder endokrin aktive Substanzen 2) Weiterführende Information und Adressen auf Anfrage Literatur Barrett, J.R. (2006) Fertile Grounds for Inquiry. Environmental effects on Human Reproduction. Environmental Health Perspectives 114: A644 – A649. Buser, H.R., et al. (2006). Occurrence of UV filters 4-methylbenzylidene camphor and octocrylene in fish from various Swiss rivers with inputs from wastewater treatment plants. Environ. Sci. Technol. 40, 1427-1431. Kupper, T., et al. (2006). Fate and removal of polycyclic musks, UV filters and biocides during wastewater treatment. Water Res. 40, 2603-2612. Schlumpf, M., Lichtensteiger, W., Hrsg., Hormonaktive Chemikalien. Verlag Hans Huber, Bern, 2000. Schlumpf, M., et al. (2008). Endocrine active UV filters: Developmental toxicity and exposure through breast milk. Chimia, 62: 345-351. Woodruff, T.J., et al. (2008), LC. Proceedings of the Summit of Environmental Challenges to Reproductive Health and Fertility: executive summary. Fertility and Sterility 89, Suppl. 1: e1–e20. |
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